Klein, schwarz, cool

Bei keinem anderen Modestück macht sich der Einfluss Hollywoods so bemerkbar wie bei der Sonnenbrille. Sie ist mit Abstand das wirkungsvollste Accessoire für Coolness.

Eine Sonnenbrille liefert ihre Message auf den ersten Blick und mit universeller Gültigkeit. Die Liste der Hollywoodfilme, die mit diesem Stilmittel arbeiten – und ganz nebenbei den Sonnenbrillenabsatz ankurbelten – ist Legion und zieht sich durch die Jahrzehnte. Audrey Hepburn als New Yorker It-Girl in Frühstück bei Tiffany (1961) versteckt hinter der Sonnenbrille ihre übernächtigten Augen und ihre Lebensangst. Steve McQueen trägt seine stilprägende Persol 0714 mit den blau getönten Gläsern als diebischer Millionär in Thomas Crown ist nicht zu fassen (1968), um sich nicht in die Karten schauen zu lassen. „Es sind 106 Meilen bis Chicago, der Tank ist voll, wir haben ein halbes Päckchen Zigaretten, es ist dunkel und wir tragen Sonnenbrillen!“ Mit diesem Satz wurden die Blues Brothers 1982 zum Kultfilm. Und die damals bereits legendäre Ray Ban RB2140 Wayfarer gab noch einmal richtig Gas. Ähnliches, wenn auch in einer yuppiemäßigeren Zielgruppe, gelang dem 24-jährigen Tom Cruise vier Jahre später mit Top Gun (1986) und Ray-Bans Pilotenmodell 3025 Aviator. Dass auch Schurken cool können (und ihre Sonnenbrille bevorzugt nachts tragen), bewies Arnold Schwarzenegger 1984 als außerirdischer Cyborg, Modell T-800, in Terminator. Seine randlosen Gargoyles ANSI Classics sind immer noch gefragt. Um diese Walking-Iceberg-Coolness zu toppen, bekam Keanu Reeves für seine Hauptrolle in Matrix (1999) Maßanfertigungen von Blinde Design Project: schmale, fast schwarze Gläser und so eng anliegend wie die Kleidung unter dem flatternden Mantel.

Aber warum machen Sonnenbrillen so cool? Ganz einfach. Sie reduzieren die Mimik, die zu einem Großteil über die Augen kommuniziert wird. Gleiches gilt für Emotionen. Außerdem geben sie ihrem Träger einen Anonymitätsvorteil. Sehen, ohne gesehen zu werden. Zumindest verschleiern vielen Sonnenbrillen die Blickrichtung. Ihr ursprünglicher Zweck – Schutz vor starker Sonneneinstrahlung – ist längst überholt von ihrer Rolle als modisches Accessoire, Statussymbol und Mittel zur nicht nur symbolischen Abgrenzung. Nicht selten erinnern Menschen mit Sonnenbrillen an die abweisenden verspiegelten Hochhausfassaden der Megacitys. Wer für sich selbst eine passende Sonnenbrille sucht, sollte sich nicht allein an seinem Kino-Idol orientieren, es sei denn, die eigene Gesichtssilhouette ähnelt der von Keanu Reeves, Tom Cruise oder Arnold Schwarzenegger. Experten empfehlen eine Brillenform, die zur Gesichtsform einen Kontrast bildet – aktuelle Modetrends hin oder her. Also für eckige und herzförmige Gesichter runde oder ovale Gläser wie bei Pilotenbrillen, für runde Gesichter entsprechend eher eckige Gläser. Die größte Auswahl haben Menschen mit ovaler Gesichtsform. Hier spielt die Brillenform eine untergeordnete Rolle, nur auf die Größe der Gläser sollte man achten.

Foto: Shutterstock

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