Müll zu Mode

Die Verschmutzung der Meere macht Designer zu Aktivisten.

Es muss wirklich schlecht bestellt sein, um den Planeten, wenn sich die Modebranche Sorgen macht. Eine Branche, die eher bekannt ist für ihre Oberflächlichkeit und Schnelllebigkeit, die ihrer inneren Logik nach gar kein Interesse daran hat, Produkte zu entwickeln, die länger im Umlauf sind als bis zur Vorstellung der nächsten Kollektion. Andererseits lebt die Mode auch davon, gesellschaftliche und kulturelle Trends aufzuspüren. Und Nachhaltigkeit ist einer, an dem auch kein Laufsteg vorbei führt. Das Frankfurter Zukunftsinstitut verkündet Neo-Ökologie wenig überraschend als Megatrend und damit einhergehend das „Ende der Fast-Fashion-Ära“ zumindest langfristig.

Mehr als Greenwashing sollte man von den großen Labels vorerst nicht erwarten. Geht es um wirklich nachhaltige Mode, galoppieren die Kleinen voraus. Aufgerüttelt vom gigantischen Plastikmüllvorkommen in den Meeren, widmet sich die spanische Designerin und leidenschaftliche Surferin Andrea Salinas der Wiederverwertung von Plastikmüll. Ihr Label Now_Then entwirft Öko-Bademode. Als Material verwendet sie aus dem Meer gefischte Kunststoffreste. Ihr Anspruch geht über das Recycling hinaus – ihre Kunden sollen Kleidung tragen, die umweltfreundlich hergestellt wurde, dazu möglichst frei ist von Schadstoffen. Gut so. Denn sonst gelangen die im Plastik enthaltenen Schadstoffe – oft in konzentrierter Form – wieder in den Kreislauf.

Ein ähnliches Konzept wie Salinas verfolgt ihr Madrider Kollege Javier Goyeneche mit seinem Label Ecoalf: „Mehr als 80 Millionen Tonnen Plastikflaschen wurden bereits recycelt“, wirbt er auf der Homepage. Der Mann ist geradezu versessen auf Müll. Neben Plastikflaschen aus dem Meer recycelt Ecoalf gebrauchte Wolle, Baumwolle, Nylon und Krabbenschalen. Altreifen etwa werden zu Flip-Flops. Viele andere Designer tun es ihnen gleich.

Das Umdenken hat auch die Ausbildungsstätten erreicht. Im London College of Fashion wächst die Zahl der Kurse zum Thema Nachhaltigkeit. Nun sind aber auch die Konsumenten gefragt, sich der Fast-Fashion-Ideologie zu verweigern: Es bringt der Umwelt wenig, wenn die coolen Recyclingsneaker nach ein paar Monaten wieder out sind und im Müll landen. Noch besser für die Umwelt wäre also die Philosophie des Beneficial Design Institute in Berlin, das von Anfang an auf umweltfreundliche Produktion setzt und nur ökologisch unbedenkliche Materialien in den Kreislauf einspeisen möchte.

Foto: Courtesy of Nowthenlabel Credit: @27mm_photo

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