Das manuelle Entfernen von Knitterstellen ist extrem unbeliebt. Dafür gibt es „bügelfreie“ Textilien. Doch was heißt das? Und funktioniert es wirklich?
Edgar Degas (1834-1917) erstellte über 30 Gemälde, die Frauen beim Waschen oder Bügeln zeigen. Das mag erstaunen, war der Impressionist doch eher bekannt für seine Bilder von Balletttänzerinnen bei der Probe sowie für Momentaufnahmen aus dem damaligen Großstadtleben. Doch, wie Degas selbst sagte: „Man nennt mich den Maler der Tänzerinnen und begreift nicht, dass die Tänzerin für mich nur ein Vorwand war, um schöne Stoffe zu malen und Bewegungen einzufangen.“
Durchaus wahrscheinlich, dass ihn dasselbe Bedürfnis zu seinen Wasch- und Bügel-Motiven inspirierte, etwa „La Repasseuse“ („Die Büglerin“, ca. 1869) „Les Repasseuses“ („Die Büglerinnen“, 1884-1886) und „La Blanchisseuse Repassant“ („Die bügelnde Wäscherin“, 1882-1886). Wobei Degas gerne die Lebenswelt der Frauen aus den unteren Schichten darstellte – bisweilen im Kontrast zur bürgerlichen Schicht, die als Zuschauer inszeniert wird. Zudem waren Wäscherinnen durchaus typisch für das Paris des 19. Jahrhunderts. Als Passant sah man sie oft hinter Schaufensterscheiben in heißen, dampfigen Räumen, wo sie mit hochgekrempelten Ärmeln Laken, Blusen, Hemden und Hosen glätteten.
Heute ist das Bügeln sehr viel kraftsparender und wer es nur privat macht, entdeckt darin vielleicht eine fast schon meditative Beschäftigung, ähnlich dem Stricken. Dagegen verortet Cosmopolitan in einer Umfrage zu den unbeliebtesten Haushaltsarbeiten das Bügeln auf Platz 2 – nach dem Fensterputzen (Platz 1) und vor dem WC-Putzen (Platz 3).
Doch was passiert eigentlich mit den Textilien während des Bügelns? Drei Faktoren spielen hier eine Rolle: Hitze, Druck und Wasserdampf. Feuchtigkeit und Hitze machen die Textilfasern geschmeidig. So können sie leichter – mit Druck – in die gewünschte Form gebracht werden. Aber ist das nicht längst passé im Zeitalter von „bügelfreier“ Bekleidung? Leider nicht. Denn mit „bügelfrei“ ist es ähnlich wie mit „alkoholfrei“. Laut Gesetz darf auch Bier oder Wein als alkoholfrei bezeichnet werden, wenn der Alkoholgehalt bei maximal 0,5 Prozent liegt, also deutlich mehr als null. Und auch „bügelfrei“ bedeutet eben nicht, das man etwa bei Hemden ohne Bügeleisen auskommt. Es heißt vielmehr, dass das Bügeln seltener anfällt oder einfacher ist. So gesehen wäre die treffendere Bezeichnung „bügelleicht“ oder „bügelarm“.
Der Trick hinter „bügelfreien“ Hemden besteht darin, dass deren Fasern chemisch behandelt wurden, sodass sie wesentlich elastischer sind als die Fasern im natürlichen Zustand und sich daher leichter – oft schon durch das Aufhängen nach der Wäsche – in die gewünschte Form bringen lassen. Unveredelte Fasern wie Baumwolle und Leinen hingegen quellen auf beim Waschen und bilden Falten oder Knitterflächen, die auch nach dem Trocknen bleiben. Leider verliert der Bügelfrei-Effekt mit häufigem Waschen seine Wirkung. Damit steigt der Bügelaufwand im Laufe der Zeit. Ein weiterer Nachteil von „bügelfreien“ Kleidungsstücken: Durch die gewonnene Elastizität verlieren die Fasern an Robustheit. An Stellen, die erhöhter Spannung oder Reibung ausgesetzt sind, scheuern sie schneller durch. Auch das sollte man bedenken, bevor man sich für „bügelfrei“ entscheidet. Und vielleicht ist es auch ganz gut, dass „bügelfrei“ nicht schon hundert Jahre früher erfunden wurde. Edgar Degas hätte sonst ein faszinierendes Motiv weniger gehabt.
Foto: Shutterstock

