Thank you for Smoking

Vor 60 Jahren präsentierte Yves Saint Laurent einen Anzug für Damen. Was für ein Skandal! Und zugleich ein Meilenstein für die Emanzipation in der Mode.

Frauen im Anzug. Mit Jacke und Hose. In den 1950er-Jahren noch undenkbar. Zumindest bei der Abendgarderobe. Erst Mitte der 1960er-Jahre revolutionierte ein Designer die Frauenmode: Yves Saint Laurent (YSL). Das Genie, das mit 21 Jahren zum Chefdesigner von Dior gekürt wurde. In seiner Winterkollektion 1966/67, damals bereits unter eigenem Namen, stellte YSL „Le Smoking“ vor, den ersten Hosenanzug für Frauen. Der schwarze Anzug bestand aus Hose mit geraden Beinen, weißer Rüschen-Bluse aus Organza, Fliege, breitem Satingürtel und taillierter Jacke. Yves Saint Laurent entwarf ihn als Alternative zu Ballkleidern, die für ihre Trägerinnen mit großem Aufwand verbunden waren. Es wurde mehr als nur eine Alternative: ein Klassiker. Und ein großer Schritt für die Emanzipation. Oder, wie das Hero-Magazine schrieb: „eine der bahnbrechendsten und prägendsten Silhouetten der Modewelt.“

„Le Smoking“ bedeutete mehr, als nur Frauen in einen Smoking zu stecken. Yves Saint Laurent adaptierte den Schnitt für den weiblichen Körper, tailliert und mit schlankerem Kragen. „Eine Frau im Anzug wirkt alles andere als maskulin“, sagte Yves Saint Laurent. „Ein strenger, klarer Schnitt betont ihre Weiblichkeit, ihre Verführungskraft, ihre Mehrdeutigkeit.“ In konservativen Kreisen sah man das anders: „Frauen in Smoking wurde der Zutritt zu bestimmten Restaurants verwehrt, da ihr Aussehen als zu provokativ galt – fast schon subversiv, da es auf Enteignung und Emanzipation hindeutete“, schreibt der Mode-Journalist Alexandre Marain. Oder um einen Begriff aus dem Woke-Vokabular zu variieren: Diese Damen machten sich der „genderkulturellen“ Aneignung schuldig.

Ein weiterer Schritt, um „Le Smoking“ unsterblich zu machen, gelang der Vogue Mitte der 1970er-Jahre. Helmut Newton inszenierte „Le Smoking“ nachts in leeren Gassen von Paris, als wollte er weibliche Pendants zu Jean-Paul Belmondo schaffen, dem Shootingstar der Nouvelle Vague. Einer der ganz Großen des französischen Kinos. Auch prominente Trägerinnen verhalfen „Le Smoking“ zum gesellschaftlichen Durchbruch. Unter den ersten waren Catherine Deneuve, Liza Minnelli und Bianca Jagger, die ihn auf ihrer Hochzeit mit Mick Jagger 1971 trug. Prominente Trägerinnen der 2000er-Jahre waren u. a. Angelina Jolie, Emma Watson, Anne Hathaway und Jennifer Lawrence.

Mit der Herbstkollektion 2026/27 zollte der aktuelle Chefdesigner von Yves Saint Laurent, Anthony Vaccarello, Tribut an den Unternehmensgründer und sein Meisterwerk „Le Smoking“. Die Models trugen mehrere Varianten des Klassikers – mit feinen Unterschieden, doch alle im Geiste des Erfinders. Klar. Präzise. Zeitlos.
 
Credit: Jumeau Alexis/ABACA/Shutterstock


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