God save the Tee

Längst sind sie mehr als nur Bekenntnis zum eigenen Musikgeschmack: Dank prominenter Träger sind Band-Shirts auch ein Mode-Statement.

Nach einem missglückten Einsatz flieht Tom Cruise alias Ethan Hunt aus dem Kreml. Auf der Straße verwandelt er sich in einen Touristen: Er wendet seine russische Militäruniform auf links, setzt eine Brille auf und zieht einen Stadtplan aus der Tasche. Unter der offenen Jacke trägt er ein Tour-Shirt von Bruce Springsteen: Born in the USA. Diese Szene aus Mission: Impossible – Phantom Protokoll bleibt im Gedächtnis. Nicht nur, weil es witzig ist, wenn ein amerikanischer Agent einen amerikanischen Touristen spielt, sondern auch, weil er ein Band-Shirt trägt, das bei Erscheinen des Films schon über 25 Jahre alt ist. Man rätselt also durchaus über die Botschaft.

Lange Zeit hatten Band-Shirts genau wie Fußballvereins-Shirts ein eher prolliges Image. Doch seit immer mehr Promis Band-Shirts tragen und sie auch immer wieder in Kinofilmen getragen werden, sind sie durchaus szeneübergreifend trendy, ähnlich wie Tattoos, die früher ja Knackis, Seeleuten und Rockern vorbehalten waren. Was macht also Band-Shirts so besonders? Und ist Band-Shirt gleich Band-Shirt?

Legendär ist beispielsweise das langärmlige „God save the Queen“-Shirt, das Vivienne Westwood und Malcolm McLaren 1977 entwarfen und das Punk zum Lifestyle erhebt wie das gleichnamige Album der Sex Pistols. Ein Exemplar des Shirts befindet sich in der ständigen Sammlung des Metropolitan Museum of Art. Immer öfter werden Band-Shirts von Mode-Designer gestaltet, was sie von simplen Merch-Artikeln abhebt. Und wann immer bestimmte Dekaden ein Mode-Revival erleben, sind deren wichtige Bands mit dabei. Wenn heute junge Menschen ein Shirt mit Bob Marley, The Clash oder Nirvana tragen, kann man sich allerdings nicht sicher sein, ob sie die Band oder deren Musik überhaupt kennen.

Oder gefällt ihnen vielleicht einfach nur das Motiv oder die Tatsache, dass ein bestimmtes Shirt gerade in irgendeiner einer Szene en vogue ist? Was man als Mode-Statement betrachtet, hängt letztlich sehr davon ab, in welcher Szene man sich mit dem Band-Shirt herumtreibt. Trägt ein Minister in der Öffentlichkeit ein AC/DC-Shirt, mag er sich vom klassischen politischen Anzugträger-Establishment deutlich abheben, doch jenseits des Mainstream erntet er deshalb noch lange keine Cool-Credits.

So etwas kann leicht als Inszenierung und damit als Anbiederungsversuch interpretiert werden. Es macht folglich einen Unterschied, ob man ein Band-Shirt trägt, weil man sich mit der Musik identifiziert oder weil man denkt, damit bei Rockfans Respekt sammeln zu können. Es besteht immer das Risiko, auf die Band oder das abgebildete Album angesprochen zu werden. Und dann ist man schnell entlarvt. Wer trägt schon ein Olympique-Marseille-Shirt, wenn er keinen einzigen Spieler des Clubs kennt oder ein Stones-Shirt, wenn er ihre Musik nicht mag?

So gesehen ist man mit einer unbekannten Band eher auf der sicheren Seite als mit einer Superband. Es ist eine Gratwanderung. Souverän gelöst wird sie von Ryan Gosling im Science-Fiction-Film Project Hail Mary, in dem er als unfreiwilliger Astronaut durchs All fliegt. Sein T-Shirt mit dem Retro-Style-Schriftzug „Blood Milk Moon“, Titel eines Songs des Duos Hermanos Gutiérrez, könnte als Protestnote verstanden werden: „Ich möchte auf der Erde bleiben.“ Oder aber: „Weltraum schön und gut, aber nur durchs Teleskop.“ Vielleicht drückt es auch seine tiefe Verbundenheit mit der Menschheit aus, die plötzlich so unendlich weit entfernt ist. Da geht es also noch gar nicht um die Band, deren Musik abgesehen davon zu diesem Typen passt. Heute kann selbstverständlich auch alles ironisch gemeint sein. Etwa wenn ein Punk mit einem Country-Band-Shirt herumläuft. Aber genau diese Uneindeutigkeit macht die Botschaft interessant.

Foto: Shutterstock


 
 
 
 


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