Kann das in die Waschmaschine oder muss das in die Reinigung? Darüber gibt es viele Missverständnisse. Zeit für einen kleinen Leitfaden …
Selbst High-End-NASA-Waschmaschinen haben ihre Grenzen. Grund: Auch sie waschen „nur“ mit Wasser – und Wasser ist eben nicht immer die beste Lösung, wenn es darum geht Flecken aus Textilien zu entfernen. Zum einen sind viele Substanzen nicht wasserlöslich, zum anderen schadet Wasser – ebenso wie hohe Temperaturen und das Schleudern – vielen empfindlichen Fasern, z. B. Seide, Samt, Kaschmir, ebenso wie Spitze sowie Leder und Wildleder und komplexes Mischgewebe. In Kleidungsstücken ausgedrückt: Bei Anzügen, Mänteln, Daunenjacken und Outdoorjacken empfiehlt sich „ab zum Profi!“, in die chemische Reinigung alias Trockenreinigung. Jedenfalls dann, wenn Ihnen Ihr Kleidungsstück den zeitlichen und finanziellen Aufwand wert ist.
Auch die Art des Flecks liefert gute Hinweise: Stammen sie vom menschlichen Körper (z. B. Blut oder Erbrochenes) oder sind sie synthetischen Ursprungs (z. B. Farben, Lacke etc.), sollte das gute Stück in die chemische Reinigung. Erste Orientierung liefern die Piktogramme und Hinweise im Etikett. Das Kreis-Symbol steht für chemische Reinigung. Ist der Kreis mit einem X durchgestrichen, dann sollte das Kleidungsstück nicht chemisch gereinigt werden. Ein P im Kreis steht für Reinigung mit Perchlorethylen, ein F für Kohlenwasserstofflösungsmittel. Zusätzliche Unterstriche stehen für schonendes (ein Unterstrich) bzw. sehr schonendes (zwei Unterstriche) Vorgehen. Ein W im Kreis steht für professionelle Nassreinigung. Übersichten liefern Organisationen wie GINETEX (Groupement International d’Etiquetage pour l’Entretien des Textiles), die internationale Vereinigung für die Pflegekennzeichnung von Textilien.
Freilich kann man immer versuchen, den Fleck selbst zu entfernen. Dabei besteht jedoch stets das Risiko, es schlimmer zu machen. Vermutlich ist das jedem einmal passiert: ein Rotwein oder Blutfleck auf dem weißen Hemd oder der weißen Bluse. Schnell, schnell, Salz oder Zitrone auf einen Lappen und dem Fleck zu Leibe rücken, der dann – o Wunder! – größer ist als zuvor, zudem wirkt die Stelle durch das Rubbeln ausgefranst. Fußballerisch ausgedrückt: Erst hatten wir kein Glück, dann kam auch noch Pech dazu. Oder man googelt Rotweinfleck und Seide, erhält zahllose „Hausfrauen“-Tipps, die sich zum Teil widersprechen oder laut Kommentar im einen Fall funktioniert haben, im anderen leider nicht. Problem: Der erste Reinigungsversuch hat erfahrungsgemäß die höchsten Erfolgschancen. Hat man den Fleck durch überhastete Eigeninitiative bereits so richtig verschlimmbessert, wird es auch für den Profi schwerer, noch etwas zu retten.
Doch was passiert eigentlich in der chemischen Reinigung? Wie schon angedeutet wird dort eben nicht einfach mit einer besseren Waschmaschine oder dem perfekten Waschmittel gewaschen. Je nach Fall kommt Ihr Kleidungsstück dort in eine wasserlose Reinigungsmaschine mit einem spezifischen Lösungsmittel, beispielsweise Perchlorethylen, das Fette, Öl und andere Schmutzarten gut löst, ohne die Textilfasern stark zu belasten. Eine (ergänzende) Alternative ist die manuelle Reinigung mit Bürste und basischen oder sauren Fleckentfernern. Nach der erfolgreichen Reinigung werden die Kleidungsstücke in Form gebracht, auch hier ergänzt eine manuelle Behandlung die maschinelle Vorarbeit mittels Bügelpuppe. Doch ebenso wie häufiges Waschen den Textilien schadet, belastet auch häufige professionellen Reinigung das Gewebe. Faustregel: nur dann, wenn es reinigungstechnisch sinnvoll und ästhetisch nötig ist.
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