Der Kleiderschrank-Manager

Große Beachtung erfährt er selten, dabei sorgt er stoisch dafür, dass die Kleidung in Form bleibt: der Kleiderbügel. Eine kleine Lobrede.

Im biografischen 1981er-Film Meine liebe Rabenmutter (Mommie Dearest) mit Faye Dunaway gibt es eine denkwürdige Szene: Die kontrollwütige Schauspielerin Joan Crawford entdeckt, dass ein Kleid ihrer Adoptivtochter auf einem Drahtbügel aufgehängt ist und tickt völlig aus: „No wire hangers, ever!“ („Keine Drahtbügel, niemals!“), schreit sie, während das Kind vor Angst die Bettdecke über den Kopf zieht. Absolut gruselig. Das American Film Institute listet Crawfords Wutausbruch dann auch unter den 100 besten Filmzitate – und Crawford unter die 100 besten Schurken der Filmgeschichte.

Im Analog-Leben erhalten Kleiderbügel deutlich weniger Aufmerksamkeit – im Guten wie im Schlechten. Ausgenommen vielleicht in Hotels, wo man sich bisweilen Gedanken macht wie man den Kleiderbügelschwund durch Hotelgäste reduzieren kann, ohne den Gästen das Gefühl zu geben, man halte sie pauschal für langfingrig. Manche Hotels verwenden spezielle Bügel, die sich zwar aus dem Schrank herausnehmen lassen, aber statt dem Haken nur einen Stift haben, so dass sie außerhalb des Hotels nicht benutzbar sind. Andere Hotels verstecken den Kleiderbügel- und Handtuchschwund vielleicht schon im Zimmerpreis.

In jedem Fall sind Kleiderbügel praktisch unverzichtbar, wenn man seine Hemden, Kleider und Sakkos und Anzughosen nicht ständig bügeln will. Und auch wenn sie die meiste Zeit im Dunkel geschlossener Schränke verbringen, so transportieren sie neben dem funktionalen Aspekt auch einen ästhetischen: Holzbügel beispielsweise, wirken so viel schöner als die meisten Bügel aus Draht oder Kunststoff, wobei sich beispielsweise die Pop-Kultur der 1970er-Jahre auch in den Kleiderbügeln widerspiegelte, etwa mit dem orangefarbenen Plastikkleiderbügel „Quadro“, der auch ein – sogar noch funktionaleres – Pendant („Sonja“) in der DDR hatte. Überhaupt hinterließ die Mode ihre Spuren bei den Kleiderbügel, wenn auch meist dezenter als bei der Kleidung oder beim Mobiliar.

Immerhin zählt das Privatmuseum des Kleiderbügelsammlers Matthias Dülp im fränkischen Landkreis Forchheim über 7.000 verschiedene Varianten. Früheste Darstellungen von einem Kleiderbügel stammen aus dem späten Mittelalter, erfährt man auf der Website des bayerischen Kleiderbügelherstellers Mawa, der seit 1948 produziert und Funktion mit Stil verbindet. 

Waren Kleiderbügel anfangs noch einer sehr eng umgrenzten Klientel vorbehalten – Adel, Klerus, Militär – fanden sie im späten 18. und 19. Jahrhundert mehr und mehr Verbreitung durch den Aufstieg des Bürgertums und der Modehäuser. Mit dem schnelleren Wandel der Mode wurde es notwendig, auch die Kleiderbügel immer häufiger anzupassen. Das erste deutsche Patent für einen Kleiderbügel wurde 1894 ausgestellt, die erste deutsche Kleiderbügelfabrik 1899 in Hannover gegründet. Heute sind Kleiderbügel Massenware, dabei immer noch die nützlichen kleinen Helfer, die den Kleiderschrank in Ordnung und die Kleidung in Form halten. Die drei verschiedenen Bügel der Mawa Silhouette Linie reichen übrigens für praktisch alle Aufhäng-Bedürfnisse. In jedem Fall verdienen die kleinen Helfer Anerkennung. Um es mit dem Refrain eines bekannten Songs der 1960er-Jahre zu sagen: „Hang on clampy, clampy hang on!“.

Foto: Frank Röth
 


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