Eine Ausstellung im Vitra Design Museum beleuchtet die Modenschau als Kunstwerk und begleitet ihre einflussreiche Geschichte von ihren Anfängen bis heute
Wenn Medien über Modenschauen berichten, dreht es sich praktisch immer um dasselbe: Welche Designer präsentieren wo mit welchen Models und welchen Gästen welche Entwürfe? Genau wie die Mode, die sie ins Rampenlicht rückt, unterliegt auch die Modenschau selbst, die Art und Weise, wie sie inszeniert wird, dem Wandel der Zeit, reflektiert gesellschaftliche Trends und Gegentrends. Warum Modeschauen oft sehr viel mehr sind oder sein können als nur ein glamourös inszenierter Blick auf kommende Modetrends, zeigt die Ausstellung Catwalk: The Art of the Fashion Show bis Mitte Februar.
Das Vitra Design Museum in Weil am Rhein begleitet die Geschichte der Modeschau von ihren Anfängen im frühen 20. Jahrhundert bis heute. Dass der Gedanke von der Modenschau als Gesamtkunstwerk seine Berechtigung hat, zeigen die teils mit riesigem Aufwand und bis ins kleinste Detail ausgefeilten Inszenierungen, für vergleichsweise kurze Spektakel von nur 15 Minuten Dauer.
Etwa Karl Lagerfelds Prêt-à-porter-Schau für Chanel zum Herbst/Winter 2017/18 mit einer Weltraum-Rakete als Setting für seine futuristischen Entwürfe. Bei einer anderen Modenschau sitzt das Publikum wie im Zirkus um eine Manege, die sich allerdings unter freiem Himmel befindet. Die Zuschauer folgen der Präsentation durch eine Glasscheibe, während draußen auf die Models und ihre Kreationen Schneeflocken fallen. Und wenn mitten durch ein Lavendelfeld ein rosaroter Teppich läuft als Laufsteg für die sommerlichen Prêt-à-porter-Entwürfe von Jacquemus, dann erinnert das an Installationen von Christo.
Catwalk: The Art of the Fashion Show teilt die Geschichte der Modenschau zeitlich wie räumlich in vier Phasen. Dabei geht es stets um eine ganzheitliche Dimension der Inszenierung – welche Bedeutungen haben Ort und Architektur, Licht und Musik, welche Botschaft, welche Geschichte wird transportiert und welchen Stellenwert haben Mode und Modenschau innerhalb der jeweiligen Gesellschaft? Wie beeinflussen sich Mode und Gesellschaft wechselseitig, zum Beispiel beim Körperbild und Schönheitsidealen – denn spätestens seit den 1990er-Jahren sind Models auch Popstars mit großem Einfluss, speziell auf junge Frauen.
Das mediale Interesse zeigt sich unter anderem in der großen filmischen Präsenz der Modenschauen, rund 50 Filme sind in der Ausstellung zu sehen, neben vielen Zeichnungen, Fotos, Originalentwürfen, Bühnenobjekten und Einladungen von Modehäusern wie Balenciaga, Chanel, Dior, Gucci, Maison Martin Margiela, Prada und Louis Vuitton. Ein äußerst vielschichtiger und komplexer Blick auf die Selbstinszenierung einer Branche, die sich der Oberfläche widmet, auf ein „kulturelles Ritual“, wie das Modemagazin Harper’s Bazaar schreibt, „das sich immer wieder neu erfindet.“
Foto: Key Visual »CatwaIk: The Art of the Fashion Show«
© Vitra Design Museum, graphic design: Haller Brun based on © Bureau Betak, photo Marie Laure Dutel, Yves Saint Laurent, Autumn/Winter 2020

