Fast schon routinemäßig pessimistisch sind auch die Prognosen für 2026. Welche Trends der Kampf ums Überleben befördert, orakelt McKinsey in seinem Ausblick „The State of Fashion“.
Ein Katastrophen-affines Jahr taumelt dem Ende entgegen. Zeit für eine neue Runde Glaskugel-Bowling. Gemeinsam mit dem News-Portal The Business of Fashion wagen die Unternehmenspulsfühler von McKinsey einen Ausblick: The State of Fashion 2026.
Was erwartet oder vielmehr befürchtet die Modebranche für das kommende Jahr? Als Datenbasis wählte man die Meinung von 400 Führungskräften der Modeindustrie sowie über 3.000 Konsumenten aus China, Großbritannien und den USA. Die Stimmung residiert – freundlich gesagt – im Souterrain. 46 Prozent der Branchen-Entscheider sehen die wirtschaftliche Lage 2026 schlechter als 2025. Vor einem Jahr waren es noch 38 Prozent. Dagegen glauben nur 25 Prozent, dass es 2026 bergauf geht mit der Mode-Wirtschaft. Das beeinflusst selbstverständlich auch die Trends und die Verschiebungen bei den Konsumenten-Interessen.
Übersetzt auf die Modebranche 2026 gewinnt vor allem der Second-Hand-Markt für Mode und für andere Luxusgüter. Bis 2027 soll er doppelt so stark wachsen wie der Markt für Neuware. Deutlich mehr Investitionen fließen zudem in die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI), die ja auch bei den Konsumenten rasant angestiegen ist – sowohl bei der Suche nach günstigen Angeboten, als auch im Rahmen einer individuellen Stilberatung. Für Modemarken wäre es beispielsweise wichtig, im Antwortportfolio der vom Kunden genutzten KI aufzutauchen und entsprechend wohlwollend positioniert zu sein. Aktuell halten allerdings 99 Prozent der Führungskräfte die KI-Nutzung für unausgereift.
Unter den zehn Trends für 2026, sind folgende drei besonders für Konsumenten von Interesse:
- Trotz des generellen Nachfragerückgangs im Segment Luxus steigt die Nachfrage nach Schmuck. McKinsey erklärt sich diesen Gegentrend unter anderem mit dem Wunsch nach langfristigen Investitionen. Klar, echter Schmuck, erst recht, wenn er auf Edelmetallen oder Edelsteinen basiert, behält seinen Wert im Gegensatz beispielsweise zu Kleidungsstücken, die viel mehr Modezyklen unterworfen sind und sich abtragen.
- Das Luxussegment flüchtet quasi Richtung High-End-Markt. Entweder weil man einen Kontrast schaffen will zum Discounter-Trend oder aber, um verlorene Kunden zurückzugewinnen. Bei schrumpfenden Margen und wachsender Konkurrenz sieht der McKinsey-Report einen möglichen Ausweg durch verschiedene Aufwertungsstrategien für die eigene Marke, etwa durch Betonung der Produktqualität sowie durch „herausragende Kundenerlebnisse“.
- Eine strategische Erneuerung im Luxusmarkt soll die Abhängigkeit von der Fixierung auf den Preis reduzieren. Stattdessen setzt man auf Vertrauen als neue Währung. Dieses will man zurückgewinnen durch die Wiederbelebung alter Branchen-Tugenden wie Kreativität und Handwerkskunst.
Kundenbindung einen höheren Stellenwert einzuräumen ist in jedem Fall eine gute Idee, zudem eine weitgehend konjunkturunabhängige Maßnahme. Allerdings erfordert sie deutlich mehr Kreativität als bisher – aber eben Kreativität war ja immer eine Kernkompetenz der Branche.
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