Ein Koffer voll Pariser Luft

Das Modehaus Louis Vuitton feiert den 200. Geburtstag ihres namensgleichen Gründers. Sein Aufstieg begann mit hochwertigem Reisegepäck.

Alles begann mit einem Koffer. Und einer sehr exklusiven Kundin: Eugénie de Montijo, Frankreichs letzte Monarchin und First Lady an der Seite Napoleons III. Der gelernte Täschner Louis Vuitton (1821-1892) traf den kaiserlichen Geschmack und sammelte Statuspunkte als Hoflieferant. In einer Zeit, als Eisenbahn das Reisen auf dem Landweg revolutionierte und Thomas Cook mit den ersten Pauschalreisen den modernen Massentourismus erfand, erwies sich hochwertiges, praktisches und elegantes Gepäck als exzellente Geschäftsidee. Aus der Reisekiste mit den Maßen 100 cm x 50 cm x 50 cm entwickelte sich bald ein Typus Koffer, wie er bis zur Erfindung des Trolleys üblich war: flach und leicht, damit er in die Gepäckablage passte und leicht zu stapeln war.

In wenigen Jahrzehnten entwickelte sich LV zu einer begehrten Luxusmarke. 1885 öffnete LV seine erste internationale Filiale in London. Der innovative Firmengründer und seine Nachfahren brachten immer wieder neue Koffer- und Taschen-Modelle auf den Markt, die nicht nur in der High Society zum Must-have wurden. Etwa in den 1930er-Jahren die Umhängetasche Noé, eine geräumige, beutelförmige Ledertasche mit Tunnelzug und Schulterriemen, und Speedy, eine Handtasche im Reisetaschen-Design. Beide Modelle sind fast 90 Jahre später immer noch unheimlich gefragt.

Das Louis-Vuitton-Portfolio wuchs um Schuhe, Bekleidung, Schmuck, Accessoires und Düfte. In den 1980er-Jahren fusionierte LV mit dem Spirituosenhersteller Moët Hennessy und zählt heute zu umsatzstärksten globalen Luxusmarken. Die Erinnerung an die Wurzeln blieb dabei stets erhalten. Auf der Fashion-Show für Herbst-Winter 2014/15 launchte Louis Vuitton die Handtasche Petite Malle. Sie wirkt wie ein Miniatur-Reisekoffer aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts – daher der Name „Kleiner Überseekoffer“. Ein Entwurf von Nicolas Ghesquière, seit 2013 Nachfolger von Marc Jacobs als Creative Director.

Zum 200. Geburtstag des Firmengründers beauftragte das Modehaus nun 200 Visionäre aus unterschiedlichsten Disziplinen mit einer Neuinterpretation des LV-Urkoffers: Einzig die Originalmaße waren vorgegeben. An der Aufgabe beteiligten sich u. a. Thomasine Barnekow, Frank Gehry, Studio Proba, Qualeasha Wood und Pierre Yovanovitch. Die Entwürfe präsentiert Louis Vuitton als Videoinstallation in den Schaufenstern seiner Stores weltweit sowie als interaktives Display auf der Firmen-Website. Eine Hommage, die dem erfinderischen Gentleman und Koffermacher Louis Vuitton sicher gefallen hätte.

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