In 80 Kleidern um die Welt

Kein anderes Staatsoberhaupt ist so weit gereist wie die gegenwärtige Queen of England. Das ständige Unterwegssein fordert eine ebenso umfangreiche wie ausgeklügelte Garderobe.

Diese Frau ist ein Phänomen. Seit bald 70 Jahren bekleidet Queen Elisabeth II. im wahrsten Sinne des Wortes das höchste Amt Großbritanniens. Und das bedeutet auch: reisen, reisen, reisen. Weit über 120 Länder hat sie besucht, viele davon mehrmals. Auf jeder dieser Reisen stand sie im Fokus unzähliger Kameras und kommentierender Beobachter, die nicht zuletzt ihre Garderobe unter die Lupe nahmen. 

„Bei der Vorbereitung einer königlichen Reise spielt auch die Planung der Garderobe eine bedeutende Rolle“, schreibt Caroline de Guitaut in ihrem Buch Was trägt die Queen, wenn sie verreist? „Bei ihrer ersten Commonwealth-Tour führte die Queen über 100 Kleider mit sich …“ Selbstverständlich geht es hier um mehr als Komfort und Modegeschmack. Die Symbolik der königlichen Kleidung spielt eine tragende Rolle in der Beurteilung ihrer Auftritte. Oftmals zollt die Queen dem Gastgeberland Respekt, indem sie ihre Kleider symbolische Details enthalten, die für eben dieses Land stehen. Für einen Australienbesuch entwarf ihr der frühere königliche Hofcouturier Norman Hartnell ein Abendkleid, in das eine Goldakazie gestickt war, deren Blüten Australiens Wappen zieren. Bei einem ihrer Pakistan-Besuche trug Elisabeth II. ein Duchess-Satin-Kleid in den pakistanischen Landesfarben Elfenbein und Smaragdgrün. Beim Empfang in einem nigerianischen Dorf trug die Queen einen lachsfarbenen Strohhut mit Feder, in Malaysia einen glockenförmigen Hut, komplett mit Stoffblüten überzogen, die an Hibiskus erinnern, der Nationalblume des südostasiatischen Landes. Virtuos auch ihr Kleid zur Eröffnung der Olympischen Spiele 1976 in Montreal: ein türkisblaues Seidenkrepp-Kleid, bestickt mit ringförmig angeordneten silberfarbenen Perlen, angelehnt an die olympischen Ringe und zugleich ein Innuendo an deren Geburtsstätte, dem antiken Griechenland. 

Neben farblichen und symbolische Akzenten und dem Bewusstsein für kulturelle No-Gos (etwa Tabufarben oder -symbole) sollen die Kleider und Hüte auch den klimatischen Herausforderungen des Reiselandes standhalten. Das heißt, auch in tropischen und subtropischen Ländern die Form wahren. Unter den dreißig verschiedenen Outfits, mit denen die Queen auf Reisen geht, befindet sich stets eines komplett in Schwarz – eine Regel, die für alle Angehörigen der königlichen Familie gilt. Es erlaubt den Royals, angemessen gekleidet zu sein, sollte während der Reise ein Mitglied des Königshauses versterben. 

Seit ein jäher Windstoß den Rock der Queen ungebührlich hoch angehoben hatte, ähnlich der berühmten Filmszene mit Marilyn Monroe in Das verflixte 7. Jahr, werden die Kostüme und Kleider der Königin mit kleinen hängenden Gewichten beschwert, um derartige „Garderoben-Fehlfunktionen“ zu vermeiden. Eigentlich schade. Durch solche Zwischenfälle wirken unnahbare Persönlichkeiten wie die Queen ein ganzes Stück menschlicher. 

Foto: Max Mumby Getty Images

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