Ein Mantel fürs Leben

Er läuft und läuft und läuft: der Kamelhaarmantel. Ein zeitloser, kombiniersicherer Klassiker und lebenslanger Begleiter für Menschen mit Stil und Selbstbewusstsein

Begegnen sich in einem Film zwei starke Charaktere, zeigt sich das nicht allein in der Gestik, Mimik und im Dialog. Auch die Kleidung transportiert die Message des Regisseurs. Ein Paradebeispiel für diesen Style-Support ist Peter Yates‘ Klassiker Bullitt von 1968 mit Steve McQueen und Jacqueline Bisset. McQueen spielt zweifellos die Hauptrolle, doch seine Filmfreundin Cathy (Bisset) bietet ihm mit ihrem Selbstbewusstsein Paroli. Beide Figuren sind absolut stilsicher: Das zeigt sich besonders in einer elementaren Szene, in der die beiden streiten, weil Cathy eine neue Seite an Bullitt (McQueen) entdeckt, die ihr nicht gefällt. Er trägt ein sportliches Tweedjacket – Bisset einen Kamelhaarmantel. Darunter trägt er einen blauen, sie einen schwarzen Rollkragenpullover. Message: Duell auf Augenhöhe. Ähnlich im Film Love Story mit Ryan O’Neal (Oliver) und Ali MacGraw (Jennifer) 1970: Beide studieren an derselben Uni: er Sohn reicher Eltern, sie hochbegabt, aber mit einem ökonomisch deutlich bescheideneren Background. Kein Grund für eine Aschenputtelnummer. Auch in Love Story unterstreicht der Kamelhaarmantel weibliches Selbstbewusstsein. Ich mag arm sein, aber ich habe Talent und ich weiß, was gut ist. 

Man könnte nun auflisten, welche Promis schon im Kamelhaarmantel gesichtet wurden – und es sind wirklich viele: Princess Diana, Michelle Obama, Jennifer Lawrence (um nur drei zu nennen) – aber das würde nur belegen, dass der Mantel seit jeher ein It-Piece der Upperclass ist. Tatsächlich ist der Kamelhaarmantel weniger Statussymbol als vielmehr Style-Piece für alle. Und ein Mantel fürs Leben. Er ist warm, robust und saugt sich nicht mit Wasser voll – eine sehr praktische Eigenschaft im Herbst. Selbstverständlich gibt es Kamelhaarmäntel auch in der oberen Preisklasse, aber ordentliche Stücke eben auch schon für unter 500 Euro. Die beste Wolle stammt von Kamelen aus der Wüste Gobi in Zentralasien. Max Maras Klassiker Mantel 101801 wird aus dieser Wolle gefertigt. Preis- und Qualitätsbestimmend sind neben der Wolle vor allem das Innenfutter (Seide vs. Kunstfaser) und die Passform (maßgeschneidert vs. Stange). Eher Geschmackssache sind dagegen Länge (bei Männern sollte er allerdings nicht kürzer sein als Kniehöhe), Kragenform, Außentaschen (senkrecht vs. schräg), Knöpfe (ein- vs. zweireihig) und Ärmel (gerade vs. schräg). So oder so: Es ist wirklich schwer, in einem Kamelhaarmantel keine gute Figur abzugeben. 

Foto: Courtesy of Max Mara

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