Wischmopp-Alarm

Die Dauerwelle ist zurück! Klingt wie die Ankündigung eines Horrorfilms. Keine Angst, die neuen Modelle umschiffen elegant die Geschmacksverirrungen der 1980er.

Falls es etwas gibt wie Dekaden-Fremdschämen, dann sind die 1980er prädestiniert dafür: Bei aller Innovation, die dieses Jahrzehnt brachte, war es auch ein großes Schaulaufen der Modesünden: Tennissocken, Leggins, Stulpen, Stirnbänder, Pailletten, Poloshirts, Muskelshirts, grelle post-psychedelische Farbkombinationen, Schulterpolster und nicht zuletzt Dauerwellen, die auch noch das hübscheste Gesicht zu entstellen vermochten, und in Verbindung mit Vokuhila und einem Trainingsanzug aus Ballonseide nahelegten, dass die Apokalypse unmittelbar bevorstand. Doch nichts scheint schlimm genug zu sein, um nicht eines Tages ein Revival zu erfahren. Als wäre das Katastrophenpotenzial von Trump und Klimawandel nicht schon groß genug, kommt auch noch die Dauerwelle zurück. Spätestens auf den diesjährigen Filmfestspielen in Cannes war das Haar-Wellen-Comeback kaum zu übersehen: Charlotte Gainsbourg, Bollywood-Star Priyanka Chopra und Victoria’s-Secret-Model Taylor Hill posierten allesamt mit gelocktem Haar auf dem VIP-Läufer.

Bevor die Geschmackswächter und -verfechter jetzt kollektiv auf Lemmingmodus switchen und sich ins Plastikmeer stürzen, noch schnell die gute Nachricht: Die Dauerwelle überrollt uns nicht mehr wie ein Trash-Tsunami. Geht es nach der Londoner Hair-Stylistin Karine Jackson gibt es bei der Dauerwelle keinen einheitlichen Ansatz mehr. Sie wird heute individuell zugeschnitten, abhängig davon etwa wie oft Kundinnen ihre Haare hochbinden, Sport machen, welche Medikamente sie einnehmen bis hin zur individuellen Haarstärke. All dies scheint die Qualität und Haltbarkeit einer Dauerwelle zu beeinflussen und legt eine individuelle Lösung nahe. Zudem bestehen die neuen Dauerwellen nicht mehr aus winzigen Löckchen, genannt Wischmopp oder Hausfrauenwelle, sondern aus vergleichsweise lang gezogenen Wellen die lässig über die Schulter fließen. Gesund ist das alles noch immer nicht. Die Umwandlung der natürlichen Haarform zur haltbaren Dauerwelle verlangt nach wie vor den Einsatz von Chemie und/oder hohen Temperaturen. Für Ungeduldige ist die Dauerwelle sowie so nichts. Eine Wellenbehandlung kann mehrere Stunden dauern. Zumindest optisch sind die neuen Wellen wenigstens absolut schmerzfrei.

Foto: Shutterstock

 

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