Sofadecke to go

Capes sind praktischer als sie aussehen. Sie wärmen, schützen vor Wind, Sonne und Regen und sind aus diesem wechselhaften Frühling nicht mehr wegzudenken.

Womöglich ist es Absicht. Der Anblick von Frauen mit Capes ist für so manches Auge gewöhnungsbedürftig bis irritierend. Häufig wirken die Umhänge, als wäre die Trägerin auf dem Sofa eingeschlafen, irgendwann hochgeschreckt und in aller Eile aufgebrochen, ohne zu merken, dass die Sofadecke an der Schulter hängen geblieben ist. Das wiederum verträgt sich nicht so recht mit dem Bild von stylischen Frauen, die nichts dem Zufall überlassen und im Extremfall sogar ihre Katze danach auswählen, ob sie farblich zum Kühlschrank passt. Dabei gab es eine Zeit, in der Capes richtig, richtig hip waren, etwa im ausgehenden 19. Jahrhundert. Einer der prominentesten Vertreter, wenngleich fiktionaler Natur, dürfte Sherlock Holmes sein. Sein sogenannter Inverness-Mantel alias Havelock schützte ihn vor Regen und nasser Kälte – was es zu Genüge gab im Umfeld des britischen Detektivs. Womöglich ist es Holmes‘ anhaltendem Ruhm zu verdanken, dass diese Art von Umhängen in seiner Heimat immer noch hergestellt wird, etwa als „Inverness Capes“.

Die übergeworfenen Sofadecken scheinen geradezu ideal für Frauen, die in diesem Fake-Frühling bereuen, dass sie ihre Wintergarderobe nicht mehr griffbereit haben und sich bei Temperaturen unter 10 Grad im Frühlingskleid klimatisch underdressed fühlen. Das praktische Garderoben-Upgrade lässt sich zudem ebenso schnell wieder ablegen.

Bereits im Herbst letzten Jahres dominierten Capes die Laufstege und es sieht nicht aus, als würden sie schnell wieder verschwinden wie ein apparierender Zauberer aus dem Harry-Potter-Universum. Große Unterstützung erfährt der Cape-Trend von den Superhelden. Im Marvel-Comic-Universum, zu denen sich immer mehr Frauen gesellen, wimmelt es nur so vor Cape-Varianten. Ärmellose Umhänge haben die magische Eigenschaft, jedem Träger Kraft und Selbstvertrauen zu verleihen, titelte sinngemäß eine Geschichte des Fashion Magazines über das Comeback des Capes im Herbst letzten Jahres. Das sei momentan auch nötig, wo sich doch „so viele von uns bedroht fühlen von der lausigen Politik, die sich weltweit abspielt, und einen Superhelden brauchen, der uns rettet“.

Foto: Gettyimages

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