Kimonomania

Der Aufstieg des Kimono vom edlen Hausmantel zur Alltagskleidung

„Der Kimono erfreut sich heute größerer Bekanntheit und größerem Einfluss in der Modewelt als je zuvor, sagt Fukai Akiko, Kurator der Ausstellung Kimono Refashioned, die derzeit durch die USA tourt. Die Ausstellung dokumentiert den Erfolgsweg des Kimonos durch die westliche Welt – von den 1870er Jahren bis heute – und wie diese geschmeidige Unisex-Bekleidung westliche Modedesigner beeinflusste.

Mitte des 19. Jahrhunderts beendete der ostasiatische Inselstaat seine selbst gewählte Isolation und Japans bis dato globalisierungsfreie Kunst, Mode und Rituale (Teezeremonie) gelangten nach Europa und Amerika. Die zugleich exotische und sehr traditionelle Kultur löste eine wahre Japanmania aus, genannt Japonismus, und inspirierte vor allem Künstler. Paul Klee, Monet, Gauguin, van Gogh, Gustav Klimt.

Was den Kimono von westlicher Kleidung unterschied, war der gerade, weite Schnitt, der Körperkurven ignoriert. Für Abwechslung sorgten die edlen, glänzenden und fließenden Stoffe mit verschiedensten Mustern, während die Form weitgehend gleich blieb. Kimonotypen wie Kurotomesode, Haori und Komon unterscheiden sich durch Farbe und Dessin. Häufige Musterelemente sind Bambus, Kirschblüte und Kranich – alle drei wichtige Symbole der japanischen Kultur. Der Einfluss des traditionellen japanischen Kleidungsstücks auf aktuelle westliche Mode beschränkt sich nicht auf kulturell angepasste Kimono-Varianten. Labels wie Cerruti 1881, Balenciaga, Etro, Maison Margiela, Dries van Noten und Louis Vuitton huldigen den Kimono in ihren aktuellen Kollektionen. Und Dior präsentierte seine Pre-Fall-Herrenkollektion 2019 nicht zufällig in Tokio: Der Kimono grüßte beinahe aus jedem Kleidungsstück, ob Hose, Hemd, Blazer, Sakko oder Anzug. Tatsächlich gelang dem Kimono der Sprung vom edlen Morgenmantel zum Gesellschaftsoutfit. Letztes Jahr schwärmte das Modemagazin Harper’s Bazaar, wie genial sich Kimonos kombinieren ließen und daher für jeden Anlass eine Option seien, ob Popkonzert, Dinnerparty oder Businessmeeting. Der Kimono kann sich also sehen lassen. Überall.

Foto: Shutterstock

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