Der Urknall von Camp

„Wir erleben gerade einen extremen Camp-Moment“, verkündete Andrew Bolton, Kurator des MET Costume Institute, bei der Ankündigung des diesjährigen Themas der Met-Gala Camp: Notes on Fashion.

Es fühle sich sehr relevant an für den kulturellen Diskurs, genauer hinzusehen. Camp werde oft abgetan als leere Frivolität, aber Camp könne ein sehr raffiniertes und mächtiges politisches Instrument sein, besonders für marginalisierte Szenen. „Egal ob Pop Camp, Queer Camp, High Camp oder Politisches Camp (…) es ist sehr zeitgemäß.“ Dabei bescheinigte Bolton dem gegenwärtigen US-Präsidenten eine ausgesprochen campy Persönlichkeit. Bingo. Den Joker schafft Trump ganz ohne Farbmaske und aufgemaltes Grinsen.

Ein Teil der Ausstellung im MET widmet sich dem Ursprung von Camp, der andere Teil behandelt Camp bei zeitgenössischen Modedesignern. Rund 175 Exponaten sind zu sehen: Kleidung, Gemälde, Skulpturen und Zeichnungen. Darunter auch ein Paar der weißen Schuhe mit den hohen rötlichen Absätzen, wie sie der Sonnenkönig Ludwig XIV. trug, auf dem bekannten Porträt von Hyacinthe Rigaud (Bild). Ludwig XIV. gilt als Urknall von Camp. Mit seinem opernhaften Prunkposing diktierte dessen Hof in Versailles die französische Mode ähnlich, wie es heute die Pariser Modewochen tun. Was der König trug, war en vogue – zumindest für den Adel, der sich diese pfauenhafte Selbstinszenierung leisten konnte und wollte.

Foto: Shutterstock.com

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