Beige zieht an

Senioren werden von Marketingleuten gerne als Silver Ager bezeichnet, dabei wäre Beige Ager viel treffender, denn keine Farbe verkörpert das Alter so sehr wie Beige. Motto: zu unauffällig, um grau zu wirken. Von den Halbschuhen und Socken über Hose oder Rock, Bluse oder Blouson bis zum Hut.

Die Regisseurin Sylvie Hohlbaum drehte 2012 einen kurzen Dokumentarfilm zum Thema „Beige“. In einem Interview erklärt sie den historischen Hintergrund: „Beige galt in den zwanziger Jahren auch als heller, reiner Farbton für sozial besser gestellte Bürger, das verleiht der Farbe für ältere Menschen eine gewisse Attraktivität.“ Dieser Trend hat sich dann offenbar irgendwann verselbstständigt.

Nun, zumindest in diesem Jahr, könnten militante Beige-Träger sogar Fashionista-Credits sammeln. Die Laufstege haben Beige als Trendfarbe des kommenden Sommers ausgegeben. Geht es nach dem Londoner Modehaus Burberry, das vor allem für seine Trenchcoats berühmt ist, gibt es diesen Sommer gar keine andere Farbe mehr als Beige. Besonders aufregend ist Beige noch immer nicht – selbst wenn sie durch orientaffine Synonyme gepimpt wird, etwa „Pyramid“, „Camel“ oder „Beduine“. Was die Farbe interessant macht, ist ihr bescheidener Charakter. Die ultimative Yogafarbe als Essenz eines Zustands maximaler Entspanntheit. Beige ist wie eine unbemalte Leinwand: Offen, für was auch immer da kommen mag. Eben aus diesem Grund ist Beige auch hervorragend kombinierbar mit anderen Farbtönen, die dann umso mehr wirken. Doch sieht es ganz danach aus, als ob sich Beige diesen Sommer selbst genügt und viele Menschen Beige als All-Over-Styling wählen, das heißt vom Schuh bis zum Kragen.

Foto: Courtesy of Burberry

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